ALTENDORFER |
CHEMNITZER
SOCIETÄTSBRÄU
"STORCHENNEST"
"NOISEWORKS"
"P.ALEien"
>> gegründet September 2017
>> est. 1857
 |  est. 2017
>> Brewdoc Dr. K

 
 Societätsbräu historisch
Societätsbräu historisch

Die "1. Altendorfer Societätsbrauerei" zu Chemnitz-Altendorf um das Jahr 2000, als das Kunst- und Kulturzentrum VOXXX (1992 bis 2005) das ehemalige Sudhaus betrieb und vor dem Untergang sprich Abriss bewahrte. Heute (Stand Frühjahr 2018) hat sich am Sudhaus quasi nichts getan, das Gebäude nebst Torhaus wartet noch immer auf Sanierung und Umnutzung.
Teile der historischen Mälzerei konnten erhalten bleiben, die gigantischen Flaschenlagerkeller - aus der Zeit der Zugehörigkeit zur Actien-Lagerbier-Brauerei zu Schloß Chemnitz bzw./auch Schloßbrauerei (Kontor/Verwaltung Inselstraße 2a) Filialbrauerei Altendorf / Abteilung für Flaschenbier - auf dem Gelände an der Horst-Menzel-Straße (früher Roonstraße 24), Chemnitz-Kaßberg wurden dagegen zwischen 2010 und 2015 fast vollständig zerstört. Ein Trauerspiel.
Den letzten Tiefbrunnen hat sich leider ein Nachbar unter den Nagel gerissen, der mit dem Wasser heute seine Pflanzen bewässert und einen künstlichen kleinen Teich betreibt.
Überhaupt ist die Geschichte der Altendorfer
Societätsbrauerei gepflastert mit Rückschlägen, Misserfolgen, Pleiten, Pech und Pannen: als selbständiges Unternehmen existierte man nur wenige Jahre/Jahrzehnte. Nach dem Konkurs der Societätsbrauerei verlagerte die Actien-Lagerbier-Brauerei zu Schloß Chemnitz 1904 ihre Flaschenbierproduktion nach Altendorf. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts diente die Brauerei vorwiegend der Bierlagerung, zogen fremde Gewerke wie Tischler, Färberei, KFZ-Werkstatt auf das Gelände zwischen Roon- (heute Horst-Menzel-Str.) und Werderstraße (heute Erzbergerstr.), Postanschrift/Adresse Roonstraße 24. Kurz vor Ende des 2. Weltkriegs wurden Teile der Produktion der Wanderer-Werke AG in die Brauerei verlegt. Zu DDR-Zeiten residierten verschiedene volkseigene Betriebe in dem Gebäudeensemble (z.B. Versorgungskontor Industrietextilien INTEX).
Anfang der 2000er Jahre


Das gleiche Motiv ca. 15 Jahre später (2018)

Gesamtansicht der (Societäts) Brauerei Altendorf um 1900 - somit vor Neubau des abgebrannten Sudhauses -
mit Blick über den noch unbebauten Kaßberg in Richtung Altstadt.
>>> Chemnitzer Societätsbrauerei zu Altendorf | 1. Altendorfer Societätsbrauerei | Brauerei Altendorf (1857-1873) | Kupfer'sche Brauerei
Brandkatasternummer 1 Flur Altendorf

>>> ab 1883 Teil der bzw. Übernahme durch die Actien-Lagerbier-Brauerei zu Schloß-Chemnitz (Filiale Brauhausstraße 2 = Roonstraße 24,
in anderen Quellen Roonstraße 14)
Flaschenabfüllung von 1883 bis Anfang 20. Jahrhundert

>>> gegründet 1857 auf einem Teilareal des Stadtguts Storchennest oder Storchnest (Gutsgebäude mit Teich an der Limbacher Straße, Höhe Heilsarmee)

geschichtliche Eckdaten:

- Chemnitzer Societäts-Brauerei bzw. Sozietäts-Brauerei
- Societätsbrauerei Aktiengesellschaft zu Altendorf
- Societätsbrauerei Altendorf bzw. 1. Altendorfer Societätsbrauerei
- Brauerei Altendorf

- Betrieb einer Ziegelei
- 28.03.1837 - die 3. Braugesellschaft wird gegründet, Brauvorstand J.C. Weiß
- 1843 - Bau des Sudhauses
- 1857 - Brauerei Altendorf auf dem Areal des alten Stadtguts Storchennest (Neefe'sches Vorwerk)
- 1873 - die 3. Braugesellschaft verläßt die Brauerei Zinn (an der Aue) und zieht nach Altendorf
- 1873 - erstes Bier unter dem Namen Chemnitzer Societäts-Brauerei, Gärkeller unter dem Sudhaus
- 1876 - Bau der zweigeschossigen Bierlager- und Eiskeller, mehrere Tiefbrunnen von 50 bis 180 m Tiefe
- 1878 - 2/3 des Grundbesitzes werden veräußert
- 10.10.1881 - Brand im Pichtschuppen
- 1883 - Brauerei im Besitz des Chemnitzer Bankvereins
- 1883 - Übernahme der insolventen Brauerei durch die
Actien-Lagerbier-Brauerei zu Schloß-Chemnitz, Kauf der Konkursmasse
- 1883 - Schutzmarke (Logo) Mönchen mit Storch, Storchennest mit Jungen kreiert
- 12.05.1903 - großer Brand im Sudhaus
- bis 1903 - Betrieb einer eigenen Mälzerei
- 1904 - Verlegung des Flaschenbierbetriebs zur Filialbrauerei Altendorf
- 1905 - Neubau Sudhaus mit Stahlbeton-Tonnendach (Spannweite ca. 20 m) & Neubau Kontorhaus
- 1911 - weitere Umbauten und Erweiterungen auf dem Gelände der Brauerei
- ab 1912 - in Altendorf wird der gesamte
Flaschenbierbedarf der Actien-Lagerbier-Brauerei zu Schloß-Chemnitz gebraut
- 1913 - Neubau von Schmiede und Wagenreparaturwerkstätte
- 1913 - Neubau einer Flaschenabfüllerei
- 1917 - Neubau einer Kraftstroh-Anlage für die Brauereipferde

- 18.06.1936 - Vorschlag zur Aufteilung und Neubebauung des Brauereigeländes, Beibehaltung des Brauereikellers als Luftschutzbunker
- um 1944 - die Keller werden Außenstelle der Chemnitzer Wanderer-Werke, Deckname 'Vera', Produktion von "Fräser"
- nach 1945 - erfolgloser Versuch in den zweigeschossigen Kellern Pilze zu züchten
- Ende der 1940er Jahre - Konsumgenossenschaftsverband Sachsen-Anhalt, Handelsniederlassung Halle, Aussenstelle Chemnitz
- Ende der 1950er Jahre - Kommunale Wohnungsverwaltung Karl-Marx-Stadt
-
1970er/1980er Jahre - verschiedene volkseigene Betriebe im Gebäudeensemble (z.B. Versorgungskontor Industrietextilien INTEX)
- 1990/nach der Wende - u.a. Reifenhandel, KFZ-Werkstatt auf dem Areal nahe Erzberger Straße
- 30.05.1992 - Das Ufer und Oscar e.V. starten das Projekt VOX
- 03.09.1992 - die Freie Presse titelt bereits "Ungewisse Zukunft für das VOX"
- 1997/1998 - die Trägervereine des VOXXX planen umfangreiche Sanierungs- und Umbaumaßnahmen im Sudhaus
   einschl. Neubau einer Treppe in einem ehem. Malzsilo
- Sommer/Herbst 2000 - der Schützenverein Chemnitz 1990 e.V. will in den Tiefkellern einen Schießstand für Druckluft- und Handfeuerwaffen errichten
- 31.12.2005 - die Ära VOXXX endet, später/2007 Umzug ins Haus "Kammer der Technik", Annaberger Straße, als Weltecho
- Juni 2006 - Feuer (vermutlich durch Brandstiftung) in der Mälzerei und der dahinterliegenden Produktionshalle (ehem. Abfüllung)
- März 2007 - Versteigerung des Gesamtensembels
- ab Juli 2007 - Abriss von Gebäuden und Gebäudeteilen im Innenhof (ehem. Flaschenabfüllung, Heizhaus usw.)
- ab 2008 - Sanierung und Umbau an Kontorhaus und Mälzerei
- ab 2009 - Neubau von Gebäuden im Hinterland zwischen Horst-Menzel- und Erzberger Straße
- 2011/2012 - Tiefkeller werden zerstört
- Mai 2013 - Einsturz von Teilen der Mälzerei (südlicher Teil)
- Neubau eines Hauses auf dem südwestlichen Teil der Tiefkeller
- ab 2021? - Sanierung und Umbau an Sud- und Torhaus


- Brauhausstraße 2 in Altendorf Pfaffengrund, ab 01.07.1900 Roonstraße 24, ab 29.09.1949 Horst-Menzel-Straße 24

- 1877/1878: Braumeister Josef Pagan, Oberbrauer Hermann Schubert, Comptoir-Chef J. Nowack
- 1879: Braumeister Köckert, Oberbrauer Hermann Müller, Comptoir-Chef J. Nowack
- 1901: Braumeister Huber, Brauer Thiele & Müller

 


gleich um die Ecke bzw. identisch...
- Kupfer'sche Brauerei (1857), Brauereibesitzer Adolf Kupfer, Tel. 218, bis 1900 Altendorf Brauhausstraße 1 = später Chemnitz Roonstraße 2 (1C X. 1 Altendorf)
? Nachfolger der Brauerei Gottlieb Andreas Dittrich (1B X. 82 / 1B Altendorf), Limbacher Straße ?
- Stadtgut Altendorf - Brauerei, Neefische Vorwerk, Limbacher Straße 83

Brauereien in Chemnitz (vor/um/nach 1900):
- I. und II. Braugesellschaft, Brauhausstraße 4
- Bürgerliches Brauhaus, Stadtbrauerei Chemnitz, Brauhausstraße 7
- Brauerei Bäßler (Zinn), Aue 25
- Brauerei W. Wania, Altchemnitz, Annaberger Straße 110
- Germania Brauerei Max Hering, Gablenz, Oststraße 301 bzw. Augustusburger Straße 329
- Brauerei Adolf Kupfer, Roonstraße 2
-
Actien-Lagerbier-Brauerei zu Schloß-Chemnitz, Salzstraße 32
- Actien-Lagerbier-Brauerei zu Schloß-Chemnitz, Filiale Altendorf, Roonstraße 24
- Bergschlößchen-Brauerei, Zschopauer Straße 184
- Waldschlößchen-Brauerei C.H. Weber, Hilbersdorf, Dresdner Straße
- Feldschlößchen-Brauerei, Kappelbachtal, Kappel bzw. Altendorf, Am Feldschlösschen
- Brauerei Bergt, Reichenbrand, Zwickauer bzw. Hofer Straße 278
- Brauerei Johannes Esche, Rabenstein (Niederrabenstein), Kistelhausenstraße 1a + 2
- Schloss-Brauerei, Rabenstein (Oberrabenstein), Oberfrohnaer Straße
- Brauerei Emil Schwalbe, Einsiedel

Bierhändler / Abfüller:
- Moritz Walther
- Actien-Bier-Brauerei Reisewitz, Filiale Chemnitz, Philippstr. 27

Geschichtliches zur Brauerei und zum VOXXX 1 - Text aus den späten 1990er Jahren

Geschichtliches zur Brauerei und zum VOXXX 2
- Text von ca. 2008/2009

Geschichtliches zur Schloß-Brauerei - Schloß-Bräu

http://www.salsatecas.net/voxxx.htm
 
historische Stadtkarten von Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts
der Chemnitzer Kaßberg noch unbebaut (links) bzw. noch nicht in bekannter Form vollendet (rechts) - in jedem Fall stand die Brauerei bereits
Bilder des "Rückbaus" der historischen Chemnitzer Societätsbrauerei zu Altendorf in den Jahren 2008/2009 bis ca. 2015
Stand
Mai 2021

x
April 2021

...noch immer im Dornröschenschlaf...
Februar 2021

Neuerlicher Fassadenschaden am historischen Torhaus.
August 2020

Juli 2020

Die große Sanierung am Sudhaus wurde abermals verschoben auf (frühenstens) Herbst 2020, eher wohl Frühjahr 2021 oder...
März 2020

Nun befinden wir uns mitten in der Corona-Krise.
Eigentlich - Planungsstand 2019 - wollte der neue Eigentümer aus Berlin in den nächsten Tagen mit Sanierung und Umbau des Sudhauses beginnen.
Das wäre, so es denn passiert, die erste Gebäudenutzung nach knapp 15 Jahren...
Für das Torhaus der Brauerei sieht es hingegen schlecht aus.

Februar 2019

An dieser Stelle folgen ein paar eher traurige Fotos zur jüngeren Geschichte der Brauerei, die ich über die Jahre z.T. mit dem Mobiltelefon geschossen habe (deshalb die schlechte Qualität).
Im Endeffekt ist nach Auszug des VOXXX, nach dem Mälzereibrand und dem "Wirken" von Investoren ein technischen Denkmal teilweise zerstört worden.
Das eigentliche Sudhaus steht noch unsaniert, das Torhaus mit den beiden markanten Durchfahrten/-gängen ebenso.
Umgewidmet und in neue Wohnhausprojekte integriert wurden Teile der Mälzerei ("Scheibe" 1 bis 4) und des Kontorhauses sowie ein längerer Quergang/Querkeller.
Wasser aus einem Tiefbrunnen wird weiterhin genutzt, allerdings nicht fürs Brauen von Bier oder als Trinkwasser.
Die Geschichte der
Chemnitzer Societätsbrauerei zu Altendorf in epischer Breite zu erzählen, würde den Rahmen sprengen.
Stand 10.09.2019
das historische Torhaus Horst-Menzel-Straße 20 in desolatem Zustand (teilweise ohne Dach) sowie das alte Sudhaus
mit bestem Dank an den "Investor" aus Berlin (seit 2017), der leider nur auf seiner eigenen Homepage wohlgewählte Worte zu Denkmalschutz und Verantwortung findet

Auf diesem Tonnengewölbe aus gebrannten Ziegeln entstand später eine Doppelgarage, die der "Investor" allerdings wenige Jahre später wieder wegreißen ließ. Heute befinden sich hier die Tiefgaragenzufahrt von Haus 24 sowie ein schmaler Wiesenstreifen.
Teile der alten Außenmauern aus Bruchstein (z.B. aus Porphyr), die einst die Flaschenlagerkeller (Tonnengewölbe) in Richtung Süden abschlossen.
Links im Bild die Rohbauten der Häuser 24A, 24C, 24D (Stand Frühjahr 2010). Eine gewaltige Betonplatte schloss oberhalb der Tiefkeller ab (Blick in Richtung Norden).
Der zwischenzeitlich zugemauerte Durchgang links im Bild führt direkt in meinen Brau- und Lagerkeller.
Haus 24A steht auf historischen Fundamenten eines alten Querganges (Abschluß der gewaltigen Flaschenlager in Richtung Westen).
...bei der Beseitigung der historischen Lagerkeller. Was es konkret mit dem mysteriösen Betonmonster (Bildmitte) auf sich hat, kann ich leider auch nicht sagen.
Auch der Rohbau rechts im Bild existiert heute nicht mehr.
Im Hintergrund letzte Teile der Mälzerei vor dem Abriß.
...heute wächst Gras über den zerstörten Tiefkellern.
Reste der alten Mälzerei.
Im Vordergrund gusseisere Säulen/Träger aus dem Keller unter der Mälzerei.
Die Mälzerei (links im Bild; hier steht heute Haus 22D) in desolatem Zustand vor dem Abriß.
Die Mälzerei (rechts hinten) in desolatem Zustand vor dem Abriß.
Reste der einst stolzen Tiefkeller (Flaschenlager; hier steht heute Haus 24).
Anfang der 1990er Jahre - die wilden 90er auf dem Kaßberg

die historischen Tiefkeller der Brauerei um 2000; Aufnahme im Zuge des Schießstandprojekts
Chemnitz war - ähnlich wie Dortmund - einst eine echte Biermetropole. Von den vielen kleinen und großen Brauereien sind heute (Stand 2018) lediglich Einsiedler und Reichenbrander übrig geblieben.
Hinzu kommen Stonewood, das Turm-Brauhaus sowie einige Hobbybrauer.
Figur am Gebäude der ehemaligen Germania Brauerei Chemnitz (heute Heimat der Stonewood Braumanufaktur)
 

   
zurück